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Zauberausbildung

Nun sitz ich hier am PC und vor mir hängt der Ausbildungsplan für das erste und zweite Ausbildungsjahr in der Zauberschule. Wie schnell die Zeit vergeht. Unser erstes gemeinsames Wochenende fand am 28.-29.Sept.2002 in Sandhausen statt. Alle waren sich fremd und so begann erst einmal die Vorstellung der einzelnen Kursteilnehmer. Es wurden Blätter verteilt und wir machten Angaben zu unserer Person und unsere Wünsche und Vorstellungen wurden mitgeteilt. Nach einigen Kartenkunststücken, die uns Christian zeigte, begannen wir mit den ersten Übungen. Gegenseitiges Helfen gab es da noch nicht und jeder hatte Mühe, die Abfolge von Zauberkunststücken zu realisieren. Mit unheimlicher Motivation fuhren wir nach Hause um das Neue zu vertiefen und mit diesen Eindrücken die ersten 4 Wochen bis zum zweiten Seminarwochenende wieder aufzugreifen. Hier begannen wir mit der Übung des Jonglierens und der ersten Stufe des Becherspiels. Ich erinnere mich gerne daran, dass Olaf häufig fragte, wo denn der Ball her käme. In den folgenden Monat wurde mit der Ringroutine begonnen und so steigerten sich die Grifftechnik und die Zauberkunststücke.

Dann kam das Wochenende, das uns als Gruppe zusammenwachsen ließ. Wir hatten das Wochenende mit Rollenfindung1 bei Peter Leonhard (Zappo). Danach war die Gruppe wie ausgewechselt. Wir halfen uns gegenseitig bei den Zauberübungen. Teilten unser Wissen (den ein oder anderen Griff) auch unseren anderen Zauberschülern mit. Wir gingen offen und neugierig miteinander um. Ein Entwicklungssprung in unserer Zauberausbildung!
Münzroutinen und immer wiederkehrende Übungen bzw. Vorführen der Routinen mit anschließendem konstruktivem Feedback machten die Wochenendseminare zu einem spannenden Erlebnis. Mit Tuch, Münze und Seilroutinen sowie ein Seminarwochenende in Mentalmagie (hier hatten wir das Glück, von Wilfried Possin unterrichtet zu werden), wurden die Sparten der Zauberei uns eröffnet. Öffentliche Seminare schlossen sich Sonntagsnachmittags an und wir waren motiviert, diese von bekannten Zauberkünstlern geleiteten Workshops zu besuchen. Martin Lewis, Hörbi und Alexander de Cova waren einige dieser Zauberer.

Mit Blick auf unsere Werkstattaufführung, die nach dem ersten Ausbildungsjahr gezeigt werden sollte, hatten wir ein weiteres Seminarwochenende bei Zappo und damit auch das Herauskristallisieren einer eigenen Rolle. Wieder machte sich eine starke Persönlichkeitsentwicklung nach diesem Wochenende positiv bemerkbar.

Den Mut, gemeinsam Aufzutreten, fassten wir, indem wir abends auf die Straße nach Heidelberg zum Zaubern gingen. Die Teilnehmer, die im Hotel übernachteten, gingen abends noch auf ein Bier zum Fachsimpeln in ein Brauhaus und zeigten dort den ein oder anderen neuen Zaubertrick oder gingen zum Döneressen und zauberten dort.

Bei Isabell Nierbeck wurden wir in Rhetorik und Präsentation sowie Sprache herangeführt.
Wie schon erwähnt, arbeiteten wir auf die Werkstattaufführung hin. Das Wochenende im September mit Wilfried Possin wurde genutzt, um die Programmzusammenstellung vorzunehmen und es wurde eine Ring/Seil Routine erarbeitet. Gruppenarbeiten waren immer wieder mit den Zauberkunststücken aus Seminararbeit gefragt. Im Oktober hatten wir den ersten Kurs in Bühnenarbeit bei Peter Bold um eine gute Figur bei der Werkstattaufführung zu machen. Der für uns große Augenblick kam im November und alle waren aufgeregt, vor ca.50 Personen ein Zauberkunststück zu zeigen. Nach stürmischem Applaus vor geladenen Zuschauern und mit der Bestätigung, die erste Hürde im Umgang mit Bühnen gemacht zu haben, folgte ein weiteres Seminar, Schwerpunkt Selbstvermarktung . Was bedeutet es, wenn man mit Zaubern seine Brötchen verdienen will?
Man durchläuft einen Entwicklungsprozess und dabei werden nicht nur die Techniken der Zauberei vermittelt (auf gute Grifftechnik und Präsentation wird sowieso geschaut) sondern das Drumherum, was muss ich als Künstler beachten, um erfolgreich zu sein, wie präsentiere ich mich? Was kommt beim Zuschauer von mir an? Wie wirke ich? Das sind alles Fragen, die durch die gesamte Ausbildung wie ein roter Faden laufen.

Die Idee wurde geboren, nach unserer Abschlussgala mit dem Programm zu touren und es entstand daraus ein weiterer Entwicklungsprozess. Die Triebfeder dazu war das weitere Zusammenspielen und Arbeiten in der Gruppe nach den zwei Jahren Zauberausbildung. Auf das, was daraus erwächst, bin ich schon jetzt gespannt.

Im Hinblick auf die Abschlussgala wurde nochmals mit Peter Leonhard gearbeitet. Das Seminarwochenende im Februar beschäftigte sich mit der Aufnahmeprüfung in den MZvD, ein weiteres wichtiges Ziel unserer Ausbildung. Die Fragen zur Prüfung wurden besprochen sowie - wie bereits erwähnt - die einzelnen Sparten der Zauberkunst.

Bei Pit Hartling hatten wir ein kurzweiliges schönes Seminarwochenende mit Kartentechnik und Kunststücken.

Mit Riesenschritten wurde auf die Abschlussgala hin gearbeitet. Christian und Peter Bold halfen uns bei der Bewältigung der Nervosität, die sich langsam breit machte. Im Juni hatte Wilfried Possin nochmals mit uns eine Programmzusammenstellung vorgenommen. Angesichts der immer wieder geänderten Zauberkunststücke, die der einzelne vorhatte zu zeigen sind wohl bei Wilfried noch ein paar graue Haare hinzugekommen.
Die Abschlussgala stand vor der Türe. Mit Peter Bold als Regisseur hatten wir einen erfahrenen Bühnenkünstler. Hier zeigt sich, dass ein Programm nur gut funktioniert, wenn ein richtiges Timing erfolgt. Ruhe und Gelassenheit zeichnet den Profi Peter Bold aus, sodass diese Ruhe auf unsere Truppe übergriff. Licht- und Tonarbeit durch Peter Bold hat ein Übriges dazu getan.

Bei der Gala spürte man den Auftrittsstress der einzelnen Zauberschüler. Nachdem wir beim Publikum durch Applaus bestätigt wurden (und es kamen auch Lacher, die das Salz in der Suppe einer jeden Show sind), lief das Programm richtig gut. Jeder der hinter der Bühne war, freute sich für den auftretenden Künstler. Bei jedem Applaus und Lacher wurde mitgeklatscht. Prima Atmosphäre! Nach der ersten gemeinsamen Vorstellung ging dann jedoch jeder seinen eigenen Weg und kümmerte sich um seine Gäste. Das war ein wenig schade. Auf Tour wird das mit Sicherheit anders. Nach der Show ist vor der Show! Als wir am nächsten Tag die Videos anschauen wollten (Christian hat ein Gerät aufgestellt und Marion und Sven ließen sporadisch filmen) kam die Ernüchterung. Kein VIDEO aus der Totalen und teilweise wurde der Bühnenvorhang gefilmt. Nicht schlimm, denn was schrieb Bernd in unserem Raum hinter der Bühne während der Vorstellung auf einen Zettel: Es ist wie es ist, wir können es nicht ändern. Also, was solls. Wir können mit den Fragmenten leben und machen das Beste daraus! Dank Bernd werden wir doch eine Erinnerung an diesen Auftritt per CD erhalten

Nun steht die Prüfung im MZvD an und ich wünsche mir, dass alle es schaffen und jeder seinen Teil dazu beiträgt, dass die Gruppe zusammen bleibt.

Als Zauberlehrling freue ich mich auf die Weiterentwicklung: meine persönliche, die der Gruppe und natürlich auch die der Zauberschule. Andere werden nach uns folgen und andere Wege beschreiten als wir als erste Gruppe. Hierauf bin ich auch gespannt. Die Tour wird - wie gesagt - zu neuen Entwicklungen führen und wie Christian schon bemerkte: Eine Türe schließt sich, eine andere geht auf. Danke an alle, die uns in dieser Zeit die Möglichkeit der Weiterentwicklung gegeben haben.

Hans-Peter Häfele


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